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Adhäsive Befestigung von Brackets

Nach wie vor beharren viele Versicherungen darauf, dass das Kleben eines Brackets Leistungsbestandteil der GOZ 6100 ist und die Klebemethode keine Rolle spielen kann.


Der anerkannte Fachkommentar von Liebold/Raff/Wissing vertritt allerdings die Auffassung, dass die Gebührenposition 6100 lediglich die Eingliederung von Klebebrackets zur Aufnahme orthodontischer Hilfsmittel abbildet, nicht jedoch die Art und Weise ihrer Befestigung. Da grundsätzlich sowohl eine adhäsive Verankerung, aber auch eine Befestigung mit Glasionomerzement in Betracht kommt, kann neben der Eingliederung eines Klebebrackets der Mehraufwand für eine physikalisch-chemische Konditionierung der Zahnkontaktflächen gesondert über GOZ 2197 berechnet werden.

Auch die Bundeszahnärztekammer bestätigt die Nebeneinanderberechnung.

Trotz dieser Kommentierungen und der umfangreichen positiven Rechtsprechung zur Nebeneinanderberechnung der Leistungen nach GOZ 2197 und 6100 geht eine Versicherung sogar so weit, ihre Leistungskürzung auf das einzige bekannte Negativurteil zu stützen, das nach Auffassung des Kostenträgers alleine „mit zahnmedizinischem Sachverstand“ getroffen wurde.

Diesem zweifelhaften Rechtfertigungsversuch halten wir entgegen, dass zwischenzeitlich gut und gerne zwanzig positive Urteile gesprochen wurden. Auch diese, so ist anzunehmen, mit zahnmedizinischem Sachverstand!

So heißt es zum Beispiel im Urteil des LG Hildesheim vom 24.07.2014 (Az.: 1 S 15/14):

„Der Wortlaut der Gebührennummer 6100 lautet nämlich: ,Eingliederung eines Klebebrackets zur Aufnahme orthodontischer Hilfsmittel‘ und erfasst mithin ausdrücklich das Eingliedern selbst als Leistung, ohne die Art und Weise der Eingliederung festzulegen. Zwischen den Parteien unbestritten ist, dass eine Eingliederung sowohl durch die adhäsive Befestigung als auch durch ein Verkleben mittels Glasionemerzement möglich ist. D. h., unabhängig davon, ob beide Möglichkeiten ein Verkleben darstellen, ist eine verschiedene Ausführung der Eingliederung möglich.“

Und das VG Regensburg kommt mit seinem Urteil vom 26.01.2015 (Az.: RO 8 K 14.1888) ebenfalls zu der Ansicht, dass die GOZ-Nr. 2197 auch neben GOZ-Nr. 6100 anwendbar ist:

„Die GOZ-Nr. 6100 legt sich vielmehr hinsichtlich der Art und Weise der Eingliederung nicht fest. Soweit die Beklagtenseite meint, die Begriffe Adhäsivtechnik und Klebetechnik seien synonym zu verstehen, folgt dem das Gericht nicht. Unstreitig werden Brackets geklebt. Im Gegensatz zum Einsatz (klassischer) Kunststoff- oder Zementkleber erfordert jedoch die adhäsive Klebetechnik einen Mehraufwand, insbesondere im Hinblick auf die Vorbehandlung (Konditionierung) von Schmelz und Dentin mit Säuren und den Auftrag eines Primers (,Grundierers‘). Unter diesem Gesichtspunkt hat die GOZ-Nr. 2197 unstreitig Zuschlagscharakter.“

Eine Auflistung der Gerichtsurteile finden Sie in unserem ErstattungsPortal unter der GOZ 2197.