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Die Abrechnung von Neurolysen

Die Neurolyse beschreibt ein Lösen des Nervs aus seiner ursprünglichen Umgebung. Dies geschieht meist aufgrund einer Einengung des Nervs durch narbige Verwachsungen, um damit den ausgeübten Druck zu beseitigen.

 

 

In der GOZ ist, im Gegensatz zur GOÄ, eine Neurolyse weder als Bestandteil einer chirurgischen Leistung noch als selbstständige Leistung beschrieben. In der GOÄ hingegen ist die Neurolyse mit den Ziffern 2583 und 2584 dargestellt. Seit der Novellierung der GOZ zum 01.01.2012 sind diese Leistungen jedoch für einen einfach approbierten Zahnarzt bzw. Oralchirurgen nicht mehr zugänglich (§ 6 Abs. 2 GOZ).

Ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg ist aufgrund seiner Doppelapprobation von dieser Einschränkung nicht  betroffen. Er kann die GOÄ 2583 für eine „Neurolyse als selbstständige Leistung“ und die GOÄ 2584 für eine „Neurolyse mit Nervverlagerung und Neueinbettung“ in Ansatz bringen. Hierbei ist es wichtig, eine  ausreichende Dokumentation zu führen, um die Eigenständigkeit der Leistung zu erkennen. Es sollten auf jeden Fall die einzelnen eigenständigen Arbeitsschritte, wie unter anderem das Herauslösen des Nervs selbst aus dem entsprechenden Gewebe, der Zustand des Nervs und ggf. die Schaffung eines neuen Lagers sowie die Umbettung, dokumentiert sein.

Ein einfach approbierter Zahnarzt bzw. Oralchirurg kann nach Auffassung des aktuellen Kommentars der Bundeszahnärztekammer für die „Neurolyse als selbstständige  Leistung“  und die „Neurolyse mit Nervverlagerung und Neueinbettung“ eine nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertige Leistung nach § 6 Abs. 1 GOZ heranziehen.

Generell sollte bei der Berechnung einer Neurolyse besonderen Wert auf die Selbstständigkeit der Leistung gelegt werden. Selbstständig im Sinne der Gebührenordnung sind diejenigen Leistungen,  die

  1. nicht  Bestandteil und
  2. nicht als besondere Ausführung einer anderen ebenfalls berechneten Leistung nach dem Gebührenverzeichnis anzusehen sind.

Der alleinige Schutz eines Nervs im Rahmen eines operativen Eingriffes, wie z. B. bei der Entfernung eines  extrem verlagerten Zahnes nach der GOZ 3045 oder eines Implantates mittels Osteotomie (GOZ 3030), erfolgt gemäß § 5 Abs. 2 GOZ durch  die Anhebung des Steigerungsfaktors der Hauptleistung. Dies betrifft auch  den  Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen.

Obwohl bereits gemäß § 4 Abs. 2 GOZ ohnehin nur selbstständige Leistungen berechnungsfähig sind, führt dies dennoch immer wieder zu Diskussionen, z. B. bei der Erstattung seitens der Kostenträger.

Gerade bei der Berechnung operativer Leistungen ist das Zielleistungsprinzip (§ 4 Abs. 2 GOZ) gebührenrechtlich von Bedeutung. Eine Leistung ist methodisch notwendiger Bestandteil einer anderen Leistung, wenn sie inhaltlich von der Leistungsbeschreibung der anderen Leistung (Zielleistung) umfasst und auch in deren Bewertung berücksichtigt wurde.

Bei der Prüfung der Selbstständigkeit muss daher zu einem Hilfskriterium gegriffen werden – die eigenständige Indikation.

Die Forderung nach einer solchen ist aber nur ein indirektes Kriterium bei der Prüfung der Selbstständigkeit einer Leistung und nicht abschließend, da sie weder in den GOÄ noch in § 4 GOZ/GOÄ, noch an anderen Fundstellen zur Selbstständigkeit als Abrechnungsvoraussetzung genannt ist.

Allerdings kann es sehr hilfreich sein, wenn die eigenständige Indikation in der Behandlungsdokumentation erkennbar ist. Wir empfehlen, diese unbedingt schriftlich festzuhalten.