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Die anatomische Besonderheit im Visier

Nach Auskunft einer privaten Krankenversicherung soll eine atypische Wurzelanatomie eine erneute Abrechnung der GOZ 2410 nicht rechtfertigen – dafür müssten dramatische Schwierigkeiten, wie zum Beispiel große Schmerzen, beim Patienten aufgetreten sein.

Eine eigenwillige Interpretation, die schmunzeln lässt, betrachtet man die Bestimmungen der Gebührenordnung für Zahnärzte. Hier heißt es wörtlich:
 
„Wenn auf Grund anatomischer Besonderheiten eine Aufbereitung in einer Sitzung nicht erfolgen kann, ist  die Leistung nach der Nummer 2410 für denselben Wurzelkanal erneut berechnungsfähig. Dies ist in der Rechnung zu begründen.“

Auf starke Schmerzen oder Ähnliches kommt es bei der Berechnung in einer zweiten Sitzung also nachweislich nicht an.

Was aber sind anatomische Besonderheiten?

Dazu  zählen  zum Beispiel:

  • überdurchschnittlich langer Wurzelkanal,
  • calcifizierter Wurzelkanal,
  • obliterierter Wurzelkanal,
  • stark gekrümmter Wurzelkanal,
  • sehr enger Wurzelkanal,
  • Stufenbildung im Kanal.

Aber auch die ausgefallenste anatomische Besonderheit bringt kein Honorar, wenn sie in der Rechnung nicht angegeben wird – die Begründungspflicht ist vorgeschrieben.

Fehlende Begründungen führen daher in der Regel zu Leistungskürzungen durch die Kostenträger.
 
Grundvoraussetzung für die Angabe einer Begründung ist eine solide Dokumentation in der Patientenkartei.  Paragraf 630f BGB verpflichtet den Zahnarzt – wie bisher schon in den Berufsordnungen und  Bundesmantelverträgen geregelt –, eine Patientenakte zu führen und alle relevanten Fakten ausführlich zu dokumentieren.

Die Dokumentation muss so gestaltet sein, dass die Besonderheiten der Behandlung der Patientenkartei zu entnehmen  sind.

Fazit:
Liegen anatomische Besonderheiten vor, ist die zweimalige Berechnung gerechtfertigt – nicht aber zum Beispiel aus Gründen  von Zeitmangel.