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Mit ihr kann man rechnen!

Eine ZFA trifft man nicht nur in der Zahnarztpraxis selbst, sondern auch in anderen Arbeitsbereichen sind sie tätig. Frau Schneider hat sich voll und ganz der Abrechnung verschrieben und hilft damit Zahnarztpraxen und Patienten.

Wir in der Praxis: Sie sind gelernte ZFA, jetzt arbeiten Sie bei den Deutschen Zahnärztlichen Rechenzentren DZR. Beschreiben Sie unseren Leserinnen kurz Ihren Arbeitsalltag.
Stefanie Schneider:
Unsere Kunden sind in der Regel die Zahnärzte und Zahnärztinnen aus den Praxen. Wir unterstützen deren Patienten bei der Durchsetzung ihrer Erstattungsansprüche bei de- ren privaten Kostenträgern. In diesem Zuge entlasten wir natürlich die Praxis im bürokratischen Ablauf. Konkret analysiere ich die Ablehnungsgründe und Hinweise der Kostenträger und prüfe, inwieweit diese mit der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) übereinstimmen. Dabei schaue ich mir auch die gestellte Rechnung an und spreche bei Bedarf mit der Praxis. Dem Patienten schicke ich dann eine gebührenrechtliche Stellungnahme, die er bei seiner Erstattungsstelle einreichen kann. Manchmal wird dann eine zweite oder dritte Stellungnahme nötig – auch dabei helfe ich den Patienten. Die Patienten sind darüber sehr dankbar, da eine direkte Auseinandersetzung zwischen dem Versicherten und dem Versicherer nie auf Augenhöhe stattfinden könnte. Wir beraten auch Praxen bei komplexen Abrechnungsfragen. Darüber hinaus arbeite ich als Referentin im Seminarbereich. Hier stehen die Vermittlung von Abrechnungsgrundlagen und die Erarbeitung von Lösungen in komplexen Abrechnungsfällen im Vordergrund. Es ist ein gutes Gefühl, dieses Wissen zu teilen und den Praxen weiterzuhelfen. Ein solcher Tag ist immer spannend, aber auch anstrengend im positiven Sinn.


WidP: Was ist das Besondere an Ihrer jetzigen Arbeitssituation?
Schneider: Wir arbeiten als Team und doch ist keiner auf den anderen angewiesen. Jeder hat seine eigenen Fälle zu bearbeiten. Dennoch diskutieren wir oft, natürlich in positivem Sinne, über komplexe Abrechnungsfälle oder bestimmte Vorgehensweisen. Wir versuchen, das Optimale für unsere Kunden und ihre Patienten zu erarbeiten.


WidP: Inwiefern hilft es Ihnen, dass Sie zuvor als ZFA gearbeitet haben?
Schneider: Fachwissen ist eine sehr große Hilfe! Ich weiß, was sich hinter den Abrechnungsziffern verbirgt. Es fällt einem leichter zu verstehen, was in der Gebührenordnung beschrieben wird. Das fachliche Wissen ist fast unumgänglich. Es hilft mir, bei der Abrechnung darauf zu achten, was eventuell noch für Leistungen erbracht wurden oder in diesem Zusammenhang erbracht werden können. Mit diesem Wissen kann man oftmals besser nachvollziehen, was gemacht wurde, und auch weiterdenken. Dies ist durchaus wichtig bei einer Beratung in Abrechnungsfragen. Außerdem ist es in den von uns erstellten gebührenrechtlichen Stellungnahmen oft maßgeblich für eine klare Erläuterung.


WidP: Warum haben Sie sich entschieden, dem Behandlungsstuhl den Rücken zu kehren?
Schneider: Die Arbeit am Behandlungsstuhl hat mir sehr gefallen. In dieser Zeit habe ich enorm viel gelernt, vor allem aus medizinischer Sicht. Mit dem erlernten Wissen kam dann das Interesse, die erbrachte Behandlung in der Gebührenordnung umzusetzen. Meines Erachtens gibt es keine bessere Voraussetzung als die, wenn man genau weiß, wie der behandelnde Zahnarzt vorgeht, und vorausdenken kann, welche Schritte notwendig sind bzw. werden. Natürlich sollte einem der Umgang mit der Gebührenordnung für Zahnärzte bzw. Ärzte (GOZ/GOÄ) nicht schwerfallen, sondern Spaß machen. Ich wollte mich weiterentwickeln. Mir war klar, dass ich mehr lernen wollte und dass ich noch nicht erreicht hatte, was ich erreichen sollte.


WidP: Wie haben Ihre Kolleginnen damals reagiert?
Schneider: Verständnisvoll, aber auch traurig. Einfache und klare Worte, die beschreiben es am besten. Wir haben nach wie vor Kontakt, was wirklich schön ist.


WidP: Bereuen Sie diese Schritte manchmal?    
Schneider: Nein, auf keinen Fall. Ich bin sehr froh, wie alles gekommen ist, sonst wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Es sind Menschen, die uns im Leben prägen. Die einen kommen und die anderen gehen – viele aber bleiben. Ich habe bei den DZR tolle Menschen kennengelernt, fühle mich sehr wohl und auch mein Job macht mir Spaß.


WidP: Was schätzen Sie besonders an Ihrer jetztigen Tätigkeit?
Schneider: Sie fordert mich. Es kommen ständig andere Abrechnungsfragen, auf die ich eine Antwort finden muss. Das bedeutet, dass auch immer wieder recherchiert werden muss, wie sich verschiedene Kommentierungen oder Fachverbände zu der Thematik äußern. Es wird also nie langweilig.
Zudem ist meine Tätigkeit als GOZ-Referentin sehr interessant, aber auch anstrengend. Ich lerne selbst, auch in meinen eigenen Seminaren, immer wieder dazu. Hier treffe ich auch viele interessante Leute, die ich sonst nicht getroffen hätte.


WidP: Gibt es etwas, was Sie an Ihrer „alten“ Tätigkeit in der Zahnarztpraxis   vermissen?
Schneider: Vermissen, denke ich, ist das falsche Wort. Ich blicke gerne zurück auf die Zeit in der Assistenz und natürlich an meine Kolleginnen und Kollegen. Es hat Spaß gemacht, am Behandlungsstuhl zu instrumentieren und „Hand in Hand“ mit dem Zahnarzt zu arbeiten. Man musste mitdenken und vorausschauen, um reibungslose Abläufe zu garantieren. Das Gesamtpaket war entscheidend.


WidP: Verdient man mehr als in der Praxis?
Schneider: Das ist Verhandlungsbasis. Ich denke, es kommt letztendlich immer darauf an, was man aus sich macht bzw. wie man sich entwickelt.


WidP: Wem würden Sie einen Wechsel empfehlen, wem nicht?
Schneider: So pauschal kann ich das nicht sagen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Richtung die seine ist. Ich kann nur einen Rat geben: Wenn man sich weiterentwickeln möchte, aber an sich zweifelt, sich den nächsten Schritt nicht traut oder weil man unsicher ist, die Komfortzone zu verlassen, wird man nie erfahren, was man eigentlich alles erreichen kann, wenn man tatsächlich will.

Das Interview führte Sonja Balcerek